Die Suche nach des Pudels Kern

Der folgende Essay soll weniger über des Pudels Kern informieren, als einfach durch sich selbst gewissermaßen unterhalten. Es ist nur ein kleines Experiment, die Gedanken, die durch das Denken an eine bestimmte Sache entstehen, in einem Text unterzubringen.

Angenommen es gäbe große Obstbäume mit flauschigen weißen Früchten, die man Pudelbäume nennen würde, und diese Früchte wären Hunde, entsprechend Pudel, mit einem harten Kern, den man nicht essen dürfte, dann würde der Satz „Das ist des Pudels Kern!“ nachvollziehbar sein. Ein häufig wiederholter freudiger Ausdruck, wenn Großväter ihren Enkeln den ersten Pudel pflücken.

Da Pudel allerdings tatsächlich nicht an Bäumen wachsen und keinen Kern enthalten, klingt der Satz, wenn man ihn das erste Mal hört, so sinnlos wie der Titel dieses Essays. Wie ein Stilmittel, das benutzt wird, um einen Satz intelligenter zu machen. Oder ganze Texte, beispielsweise einen in Uwe Wesels Buch „Fast alles was Recht ist“, in dem ich den Ausdruck das erste Mal las.
Natürlich kann Herr Wesel einen solchen, so effektreichen Ausdruck nicht grundlos nutzen oder gar neu einführen. Aber, muss er sich gedacht haben, müssen sich überhaupt alle Menschen gedacht haben, die vom Kern eines Säugetieres sprechen und so glänzende biologische Fachkompetenz beweisen, wenn man aus Goethes Werken zitiert, kann man eigentlich gar nichts mehr falsch machen.

Wie kam aber Herr Goethe selbst zum Kern des Pudels? Gab es im 18. Jahrhundert noch Pudel mit Kern, die erst später weggezüchtet wurden, wie bei den Bananen? Wahrscheinlich nicht, aber Goethe hatte offensichtlich die Vorstellung von Pudeln, die man auch heute noch in manchen Filmen findet, vom liebenswürdigen, braven Hündchen, das innerlich aggressiv ist und unberechenbar handelt. In Goethes „Faust“ ist der Satz „Das ist also des Pudels Kern!“ zu lesen, als sich die wahre Gestalt des Teufels offenbart. Der Teufel in Form des Pudels, das ist also des Pudels Kern! Und wie könnte Goethe anders zu dieser Verbindung gekommen sein, als durch besonders schlechte Erfahrungen mit Pudeln? Hatte Goethe Angst vor Pudeln?
Im Aberglaube erscheint der Teufel gern mit glühenden Augen in der Gestalt eines Hundes. Aber in der eines Pudels? Angeblich hat Goethe sich an diesen magischen Vorstellungen orientiert und der Pudel kam auf diese Weise zu seinem Kern.

Nicht nur nach Formulierungen suchende Philosophen und Wissenschaftler stießen auf dieses niveauhebende Element, sondern auch Ulrich Roski, in seinem Lied „Des Pudels Kern“ von 1975. Es handelt von einem verdeckten Militäreinsatz in einem Wald – und von einem Pudel. Des Pudels Kern ist dabei die Vermutung, dass „Pudel“ ein Deckname eines des lyrischen Ichs sei und dieser ein Spion. Seit Goethe wird diese Formulierung immer wieder anstelle von so sinnfreien, unerträglichen Sätzen wie „Das ist die Wahrheit!“ oder „So war es also wirklich!“ verwendet, wenn das Sprachniveau angehoben werden soll. Dies führt dann zu Stilblüten wie „des Pudels Kern einer Kritik“ oder „Sie haben des Pudels Kern schnell erfasst.“
Stellen wir uns doch einmal die Illustrierten vor, und ihre Titel, wenn auch bei diesen Blättern die Niveauerhebung eintreten würde: „Des Pudels Kern der Hochzeit von … “ oder „Das Aus für … – Was ist des Pudels Kern?“

Offensichtlich wird, was schon zuvor angedeutet wurde: Des Pudels Kern ist zu einer Verbesserung eines Textes nicht imstande – er verwirrt nur und erscheint jedem als sinnfrei, der sich dessen Pudels Kern nicht bewusst ist. Des Pudels Kern des Pudels Kern ist abschließend: „Des Pudels Kern“ verwirrt.

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Über lemaik

Ich bin Gründer von "Web der Wunder" und interessiere mich sehr für die Informatik. Ich schreibe eigene Programme, die ich dann zum Teil auf meiner Homepage veröffentliche und programmiere Internetseiten. Außerdem mag ich Tischtennis und das Internet. ;-)
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