Microsoft zwingt uns den Internet Explorer auf – meint die EU

In Brüssel hat man derzeit offensichtlich nichts besseres zu tun, als sich erneut mit Microsoft zu beschäftigen. Bereits seit Windows 95 ist bekanntlich der Browser „Internet Explorer“ mit an das Betriebssystem gebündelt und biete den Nutzern keine freie Wahl des Web-Browsers an, so sieht das jedenfalls der EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

Wo sind wir hier eigentlich gelandet, wenn die EU sich darum kümmert, ob die Möglichkeit besteht, sich für einen Browser zu entscheiden?! Es ist mir als Windows-Benutzer entweder total egal, welchen Browser ich verwende, dann benutze ich eben den Internet Explorer, aber das meist auch gar nicht bewusst, sondern nur als „der war halt drauf“-Programm. Oder mir liegt eben etwas an einem anderen Browser, dann lade ich mir ganz bewusst einen anderen Browser herunter, gegebenenfalls auch einen ganz bestimmten anderen.
Da braucht für mich persönlich aber auch für jeden anderen Menschen die EU jawohl nichts dran regeln!

2009 hat Microsoft zugesagt, den Nutzern eine entsprechende Wahlmöglichkeit zu bieten, was sich in Windows mit dem nervigen Browserauswahldialog äußerte, der sich auf den Desktop schiebt, sich automatisch öffnet und darum bittet, sich doch bitte einen verdammten Browser auszusuchen, auch wenn man schon einen anderen verwendet. Soll Microsoft mich vielleicht auch noch darauf aufmerksam machen, dass es andere Programme als Word gibt, mit denen ich schreiben kann und dass ich gar kein Paint brauche, weil es auch GIMP gibt? Liebe EU, halte dich aus meinem Computer raus

Schön, dass sich die EU für gleiche Chancen aller Wettbewerber einsetzt. Schön, dass es gegebenenfalls Sanktionen gibt für die, die sich nicht an die Verpflichtungszusagen halten.
Laut Almunia sei es das erste Mal, dass sich ein Unternehmen nicht an diese Zusagen halte. Dabei darf der gute Mann aber nicht vergessen, dass es wohl auch das erste Mal eine derart überflüssige und – für den Benutzer – unnötige Auflage handelt.
Jedenfalls gibt es jetzt ein Kartellverfahren gegen Microsoft – spannende Sache für die nächsten Wochen, dann zahlt Microsoft etwas Geld, belästigt auch die Nutzer von Windows 8 wieder mit dem Browserauswahldialog und alles ist gut. Wow!

Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass der Internet Explorer keineswegs allein dasteht und im Browsermarkt nicht die vorderste Position einnimmt. Weltweit steht Chrome an erster Stelle, in Deutschland ist es Firefox, der mit rund 15 Prozent vor der Microsoft-Alternative führt.

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Über lemaik

Ich bin Gründer von "Web der Wunder" und interessiere mich sehr für die Informatik. Ich schreibe eigene Programme, die ich dann zum Teil auf meiner Homepage veröffentliche und programmiere Internetseiten. Außerdem mag ich Tischtennis und das Internet. ;-)
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6 Antworten zu Microsoft zwingt uns den Internet Explorer auf – meint die EU

  1. nomadenseele schreibt:

    Was mich schon sehr nervt, dass bei Updates ect. zwingend der Explorer vorgeschrieben ist. Hier müsste es schon so sein, dass mein Standradbrowser zum Einsatz kommen kann.

    • Maik schreibt:

      Allerdings! Früher, bei Windows XP, lag es daran, dass Microsoft immer ActiveX brauchte, aber mittlerweile laufen die Windows Updates doch komplett über das Windows Update-Programm (also bei Windows 7)… :-O

      • nomadenseele schreibt:

        Ja, bei Vista im Prinzip auch, ABER, sobald ich die Problemlösung benötige oder manuell Updates installieren möchte, geht dies nur über den IE. Ich kann mir vorstellen, dass es dieser Punkt ist, der die EU stört.

        • nomadenseele schreibt:

          Weiteres Beispiel (gerade entdeckt): Möchte ich Outlook.com nutzen, geht dies nur über den Explorer und nicht über Firefox.

          Hoffentlich würgt die EU Microsoft richtig eins rein.

  2. Joscha Krug schreibt:

    Dass die EU nichts auf dem heimischen PC zu suchen hat, ist klar und ich verstehe auch, dass der Browser-Auswahldialog nervig sein kann (obwohl der bei mir seltsamerweise noch nie angezeigt wurde, keine Ahnung warum).

    Allerdings mischt sich die EU mit ihrer Entscheidung keineswegs „in deinen Computer“ ein, sondern in die Produktionspolitik eines internationalen Großkonzerns. Bei der Entscheidung aus Brüssel geht es primär nicht um die Benutzbarkeit von Software, sondern um ein wirtschaftliches Gerechtigkeitsprinzip: eine Firma darf ihre marktbeherrschende Stellung in einem Bereich nicht ausnutzen, um Konkurrenten in einem anderen Bereich zu verdrängen. Das gehört zum Kartellrecht und deshalb muss sich die EU damit auseinandersetzen. Usabilty darf nicht über geltendes Recht gestellt werden. Wenn man damit anfangen würde, könnte man gleich argumentieren: Wenn ich schneller beispielsweise ein neues Sofa finde, weil Google meine Daten ohne mein Einverständnis an alle Möbelhäuser in der Umgebung verscherbelt und die mir dann massive personalisierte Werbung zuschicken, dann steigert das auch die Benutzbarkeit. Gegen Datenschutzbestimmungen verstößt es trotzdem und wird deshalb verboten.

    Von daher: Ja, es mag ein wenig lästig sein, den Browser auszuwählen, aber in diesem Fall muss die Gesamtsituation berücksichtigt werden und die sieht nun einmal so aus, dass Microsoft gegen das Kartellrecht verstößt und dafür zur Rechenschaft gezogen werden muss.

  3. Rüdiger Haungs schreibt:

    Ich stimme Dir da vollkommen zu ! Sinnlos da was zu machen ! Geldverschwendung eben !
    What Shalls ! (Wie wir Latriner sagen)!

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